Triester Straße

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Wien: Triester Straße
Einstellungsdatum: 24.11.1962
Linie: 165
Ort: 1100 Wien, Triester Straße zwischen Wienerbergstraße und Computerstraße (10. Bezirk)
Status: nicht mehr vorhanden (ca. 1989 entfernt)
Triester Straße: Gleisreste der Linie 165 (Mitte 1980er-Jahre)

Von allen Gleisresten der Wiener Straßenbahn waren jene auf der Triester Straße am Südhang des Wienerberges vielleicht die "legendärsten". Viele Autofahrer und Busreisende dürften sich bis in die späten 1980er-Jahre gefragt haben, welche Straßenbahnlinie hier einst in dieser "gottverlassenen" Gegend gefahren ist – so weit am Stadtrand und vom restlichen Straßenbahnnetz entfernt.

Diese Strecke ist relativ spät eröffnet worden, nämlich erst 1924, und die Einstellung erfolgte bereits 1962. Werfen wir einen Blick auf die Chronologie der Ereignisse.

Am Nordhang des Wienerberges gab es bereits seit dem 30. November 1902 eine Straßenbahnstrecke auf der Triester Straße zwischen dem Matzleinsdorfer Platz und der Troststraße.[1] Die dortige ab 1907 als "65" bezeichnete Linie bog an ihrem südlichen Streckenende von der Triester Straße in die Troststraße ein, wo eine Kuppelendstelle zur Verfügung stand.

Am 1. März 1924 erfolgte die Eröffnung der 2,338 km langen Streckenverlängerung bis nach Inzersdorf.[2] Die neue zwischen der Troststraße und Inzersdorf verkehrende Linie wurde "165" getauft, da im Wiener Linienschema eine dreistellige Nummer die Verlängerung der entsprechenden zweistelligen Linie bezeichnet, in diesem Fall also die Verlängerung der Linie 65. Die Linie 165 diente hauptsächlich zur Beförderung der Arbeiter der am Südhang des Wienerberges befindlichen Ziegelwerke und der Inzersdorfer Lebensmittelfabrik, sowie – vermutlich in geringerem Ausmaß – auch dem Schülertransport zur Volksschule im ehemaligen Linienamt (Triester Straße Nr. 114). Wohngebäude hat es in dieser Gegend damals jedoch praktisch keine gegeben.

Um dem 65er in der Troststraße nicht in die Quere zu kommen, wurde für den 165er mitten in der Triester Straße südlich der Troststraße als stadtseitige Endstelle eine eigene Parallel-Weichenanlage gebaut, und auch am anderen Streckenende stand zunächst nur eine Kuppelendstelle gegenüber dem ehemaligen Linienamt zur Verfügung. Der neue Streckenabschnitt wurde ab der Quaringasse eingleisig gebaut, mit nur einer einzigen Ausweiche ca. 100 Meter südlich der heutigen McDonald's-Filiale (Triester Straße Nr. 70).

Von 1935 bis 1945 sowie von 1952 bis zur Einstellung im Jahr 1962 wurde die Linie 165 in der Hauptverkehrszeit ab der Oper verlängert geführt.[3] Aufgrund des höheren Fahrgastaufkommens wurde dabei üblicherweise mit Beiwagen gefahren, ansonsten reichten am 165er meist Solo-Triebwagen aus. Ab den 1950er-Jahren (vermutlich ab 1954) verkehrte der 165er zu Schwachlastzeiten (täglich ab ca. 21 Uhr und an Sonn- und Feiertagen vormittags bis 12 Uhr) zwischen Matzleinsdorfer Platz und Inzersdorf bei gleichzeitiger Einstellung der Linie 65.[4]

Am 28. Oktober 1939[5] wurde in Inzersdorf anstelle der Kuppelendstelle eine Schleife in Betrieb genommen, am anderen Ende stand aber bis zum Schluss nur die zuvor erwähnte Kuppelstelle zur Verfügung. Ein aus heutiger Sicht interessantes Gedankenspiel wäre die Verwendung von Einrichtungsfahrzeugen auf der zur Hauptverkehrszeit zwischen Oper und Inzersdorf verkehrenden verlängerten Linie 165 gewesen, denn hier waren ja an beiden Enden Schleifen vorhanden – man stelle sich z.B. einen der seit 1959 verfügbaren E-Gelenktriebwagen auf der südlichen Triester Straße vor, noch dazu auf einer größtenteils eingleisigen Strecke. Und es gab auch keine Vorschrift, die dies verhindert hätte, doch mangels Bedarf wurde davon nie Gebrauch gemacht.[6]

Als im Jahr 1958 bei der Wiener Straßenbahn die große Einstellungswelle einsetzte, standen die Chancen für diese Strecke schlecht: keine Schleifen an beiden Enden, eingleisig und gering frequentiert. Und so kam es, wie es kommen musste: am 24. November 1962 wurde die Strecke zwischen der Raxstraße und Inzersdorf eingestellt und die Linie 165 auf Busbetrieb umgestellt. Dafür wurde der 65er ein wenig verlängert: der bisher vom 165er befahrene Teil der Strecke in der Triester Straße zwischen der Quaringasse und Raxstraße wurde zweigleisig ausgebaut, und in der Raxstraße wurde eine 437 Meter lange Neubaustrecke bis zu einer beim Stefan-Fadinger-Platz befindlichen neuen Schleife gebaut. So verkehrte die Linie 65 jedoch nicht einmal fünf Jahre, denn ab 1. September 1967 wurde die Strecke schließlich in die Knöllgasse und die Windtengasse verlegt[7], und die Gleise im nördlichen Bereich der Triester Straße wurden bald darauf entfernt.[8]

Die Reste der südlichen Strecke im Bereich zwischen der Wienerbergstraße und der Computerstraße blieben jedoch noch bis in die späten 1980er-Jahre enthalten. Und obwohl die Triester Straße damals wie heute eine der wichtigsten Wiener Ein- und Ausfallsstraßen ist, fuhren die Autos bis dahin weiterhin auf dem Straßenpflaster! Erst ca. 1989[9] begannen die Arbeiten für einen schnellstraßen-ähnlichen Ausbau dieser Straße am südlichen Wienerberg, und dabei wurden nicht nur die Gleisreste entfernt, sondern auch die alten Wohngebäude für die Ziegelarbeiter (Triester Straße Nr. 106 bis 112) schräg gegenüber der ehemaligen südlichen 165er-Endstelle abgerissen.

Bilder vom Betrieb

Betriebsfotos des 165ers findet man in den Büchern "Tramway in Favoriten" (Heinz Fink) sowie "Wiener Straßenbahnlinien 61 bis 70" (Peter Macho), siehe dazu die Literaturhinweise.

Wer eigene Betriebsfotos besitzt, möge diese bitte hier veröffentlichen.



Erreichbar mit den Autobuslinien 16A und 65A (Haltestelle Triester Straße / Computerstraße).

Einzelnachweise

  1. Krobot, Slezak, Sternhart: Straßenbahn in Wien - vorgestern und übermorgen. 2. Auflage (1972/1983), Verlag Josef Otto Slezak, S. 303
  2. Krobot, Slezak, Sternhart: Straßenbahn in Wien - vorgestern und übermorgen. 2. Auflage (1972/1983), Verlag Josef Otto Slezak, S. 307
  3. Krobot, Slezak, Sternhart: Straßenbahn in Wien - vorgestern und übermorgen. 2. Auflage (1972/1983), Verlag Josef Otto Slezak, S. 328
  4. Mail-Korrespondenz mit K.H. am 15. August 2006
  5. Festschrift "75 Jahre Wiener Verkehrsbetriebe" (1978), S. 69
  6. Mail-Korrespondenz mit K.H. am 15. August 2006
  7. Hans & Peter Lehnhart: Eingestellte Straßenbahnlinien in Wien. 3. Auflage (2009), Phoibos Verlag, S. 53
  8. Wien Geschichte Wiki, abgerufen am 16. November 2019
  9. Wien Geschichte Wiki, abgerufen am 16. November 2019